Die Arbeitszimmerutensilien

In dem Regal, das Du Dir grade ansiehst, befinden sich mehrere Sortierkästchen. Im Ersten liegen, fein säuberlich geordnet, mehrere kleine Blöcke Siegelwachs und Siegellack in verschiedenen Farben mitsamt einer kleinen, fast dochtartigen Kerze. Im Zweiten befinden sich langweiligerweise einige neue Federspitzen, die bislang noch nicht zugeschnitten sind, sowie das Federmesser, was durch seinen geschnitzten Walzahngriff vielleicht nett anzusehen ist, aber durchaus nichts Besonderes darstellt.
In einem Weiteren befinden sich Metallklammern, eine kleine Feile, Graphitstiftstummel und mehrere Lesezeichen aus geschabtem und brandverziertem Horn. Das letzte Kästchen, ganz hinten in der Ecke am Fenster ist sicherlich das Interessanteste, denn hier finden sich drei Petschaften.
"Drei?" fragst Du Dich, und besiehst Dir die geätzten Platten einmal genauer. Die erste Petschaft, die Dir in die Hand fällt, ist einfach wiederzuerkennen: Offenbar das Siegel, mit dem der Magister die Schriftstücke siegelt, wenn er in offzieller Weise für die Akademie handelt. Die zweite Petschaft ist Dir nicht ganz so geläufig, aber Du meinst, das Wappenbild schon einmal gesehen zu haben ... Nachdenklich blickst Du Dich um, und da fällt es Dir wieder ein – das Bild hast Du an der Tür des Magisters gesehen, und zwar an der Platte des Türklopfers, logischerweise spiegelverkehrt. "Ah ... gut," denkst Du Dir, "sein eigenes Siegel," und schaust Dir auch die dritte Petschaft an. Auch dieses Bild hast Du schon einmal gesehen. Aber wo? Du überlegst, und dann erinnerst Du Dich. Hing da nicht ein Pergament gerahmt an der Wand, wo dieses Bild größer abgebildet war? Du drehst Dich ein Stück nach links und tatsächlich, zwischen Kamin und Schrank hängt ein Rahmen. Um es Dir genauer ansehen zu können gehst Du ein Stückchen näher und ziehst dabei, ohne es zu merken, mit Deinem Ärmel das Kästchen aus dem Regal, so daß es scheppernd auf dem Boden landet. "Hoffentlich hat das jetzt niemand gehört!" schießt es Dir durch den Kopf, und Du verharrst für einige Atemzüge ganz still – aber anscheinend hast Du Glück gehabt: niemand kommt. Du bückst Dich also, sammelst den Inhalt des Kästchens schnell wieder vom Boden auf, und packst ihn zurück. Dabei fällt Dir zuerst ein Siegelring in die Finger, dessen schwarze, steinerne Platte, in die das Bild geschnitten wurde, schon deutliche Altersspuren zeigt, während das Bild selbst sich gestochen scharf abhebt. Du bist Dir ziemlich sicher, daß Du dieses Wappen noch nie gesehen hast. Den Ring zur Seite legend, räumst Du die restlichen Dinge schnell wieder ein, als Dein Blick auf einen unter dem Schreibtisch gelandeten Schlüssel fällt, an dem ein auffälliger, dunkelblauer, recht dick aufgedrehter Faden hängt. Auch diesen legst Du zur Seite, um ersteinmal Deinem ursprünglichen Impuls, das Pergament anzusehen, zu folgen. Nach kurzem Studium ist Dir klar, daß diese eine Petschaft offenbar das Siegel des Ordens der Jagd zu Ask ist, was jedem Ordensmitglied bei seiner Aufnahme überreicht wird. Soweit so gut, aber dieser Ring interessiert Dich doch ... schnell hast Du ein wenig Wachs auf einen Pergamentfetzen getropft und das Siegel hineingedrückt, bevor Du den Ring zurücklegst. Das Fetzchen Pergament läßt Du in einer Deiner Taschen verschwinden, und nun bleibt nur noch dieser Schlüssel. Vielleicht solltest Du ihn an der verschlossenen Tür ausprobieren?

 VERSCHLOSSENE TÜR 

Lieber nicht noch mehr verbotene Dinge versuchen:

 ARBEITSZIMMER